Gratius, Ortwinus.

Lamentationes Obscurorum virorum no(n) p(ro)hibitae p(er) sede(m) ap(osto)lica(m). Apologeticon eiusdem cum aliquot epigrammatibus … (et) Ep(isto)la Erasmii Roterodami, quid de Obscuris sentiat. Impressio secu(n)da cu(m) additionib(us). [Zwei Teile in einem Band]. Köln, [Heinrich Quentells Erben] August 1518. 4to. 30 Bll.nnum. Mit Titelholzschnitt und drei Holzschnitt-Initialen. Buntpapier-Umschlag. €4.800,00

Enlarged second edition of this reply to the famous »Epistolae obsurorum virorum«, forming the peak of the so-called »Judenbücherstreit« between Reuchlin and his oponents, the Cologne theologians Pfefferkorn and Gratius. – Fine copy except for some repaired damage to leaf b1 with loss of some words, supplied in manuscript. – VD16, G-2923; Reichling, Gratius XXXV C; Böcking, Hutten VI, 323 ff. & VII, 101, XXX (2).

Erste vollständige Ausgabe dieses bedeutenden Dokuments zum Judenbücherstreit, nicht nur um die zuvor separat erscheinene „Epistola apologetica“, sondern auch um 40 neue Briefe (Lamentationes novae) auf das doppelte vermehrt, äusserst selten. Den Mittelpunkt des ein ganzes Jahrzehnt währenden Judenbücherstreits zwischen Reuchlin und Pfefferkorn bildeten die 1515-1517 veröffentlichten „Epistolae obscurorum virorum“ (EOV) von Crotus Rubeanus und Ulrich von Hutten an den Kölner Humanisten und Theologen Ortwin Gratius (um 1480-1542). Mit dieser Satire wollten Reuchlins Anhänger die Kölner Theologen um Pfefferkorn, Hochstraten und Gratius lächerlich machen, was ihnen auch glänzend gelang. Nachdem die Kölner eine päpstliche Verdammungs-Breve vom 15. März 1517 erwirkt hatten, sah Gratius sich veranlasst, mit den hier vorliegenden „Lamentationes“ auch literarisch gegen die EOV vorzugehen, indem er die Bezeichnung „Obscuri viri“ gegen die Urheber der Briefe kehrte: sie seien die eigentlichen Dunkelmänner, die er nun gegen ihr angeblich übel abgelaufenes Unternehmen lamentieren läßt. Von großem dokumentarischem Wert sind auch die folgenden Beigaben: 1) ein Brief von Erasmus an Johannes Caesarius, in dem er die EOV verurteilt (Allen Ep. III, 44, 622 b), 2) die oben erwähnte Verdammungs-Breve von Papst Leo X., 3) ein Schreiben Pfefferkorns an den Papst, 4) die Bulle Papst Sixtus IV. das Zensurrecht der Kölner Theologen betreffend. Eine plumpe Erfindung jedoch ist der Reuchlin untergeschobene Brief, in dem er seine Unzufreidenheit mit den EOV ausspricht. Den Schluß bilden zwei Gedichte gegen die Juden. Der satirische Titelholzschnitt zeigt sieben klagende Dunkelmänner, darüber zwei Teufel, der eine einen Blasebalg, der andere, wohl in Anspielung auf Reuchlins Augenspiegel, eine Brille haltend. – Blatt B1 mit kleiner restaurierter Fehlstelle mit wenigen Worten Textverlust (handschriftlich ergänzt), sonst sehr gut erhalten.